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Nix da, Bunga-Bunga!

Um jetzt mal so mancher wilden Bunga-Bunga-Brasilien-Swimmingpool-Phantasie, bezüglich meines Aufenthaltes hier, entgegen zu treten, wollt ich mal sagen, was ich hier so die letzten zwei Wochen, ganz abseits von jeglichem Urlaub, so gemacht habe.

Ich bin gerade quasi täglich im Gebiet des „Serra Trails“ unterwegs. Das Gebiet zeichnet sich dadurch aus, dass hier die Landschaft viel offener ist und so gar nicht den Eindruck von dichtem Amazonasregenwald macht, sonders eher eine felsige Savannenvegetation ist … viel Stein und ganz andere Pflanzen…Es liegt der Duft von Herbst in der Luft, viele Bäume hier verlieren gerade ihre Blätter und so manche Pflanze versucht noch schnell seine Früchte an den Mann/ Affe/ Vogel zu bringen, bevor es hier richtig trocken wird.

Die Trockenheit, die Pflanz und Tier hier zu schaffen machen kann, entsteht hier durch die flachgründigen Böden, in den höchsten Bereichen stehen die Gesteine an der Oberfläche an, so dass fallender Niederschlag sofort abfließt und nicht zurückgehalten werden kann. Das Gebiet ist enorm vielfältig und es gibt hier sogar einen Pfeilgiftfrosch, der nur hier vorkommt. Ich versucht jetzt unterstützt von den Guides hier, zu verstehen, wie dieses Gebiet entstand, was es genau im kleinen Maßstab auszeichnet (Flora, Fauna, Böden, Klima) und rauszufinden warum der gute Frosch nur hier vorkommt.  Denn so wie es aussieht sind die Pfeilgiftfrösche in diesem Gebiet ganz speziell auf diesen Landschaftstyp eingestellt und kommen deshalb nur hier vor.

Wie man das alles rausbekommt, muss ich in diesem Praktikum auch erst mal lernen, drum ist das hier auch in gewisser Weise Experimentierwiese für mich … Löcher graben (die sich dann mit dem verlorenen Schweiß gleich wieder füllen lassen), Oberflächenformen kartieren, GPS Punkte nehmen, Frösche beobachten usw… und zwischendurch muss man dann Touristengruppen das versuchen näher bringen, was man hier macht..oder die ein oder andere Gruppe über die „Serra“ stolpern lassen.

… Also, wie ihr seht, nix da „Bunga-Bunga-Swimmingpool“

Dia do Porco

Heute  war Schweinetag. Vor was man nicht alles Angst haben kann im Wald: Spinnen, Schlangen, Raubkatzen … .Mein erster echter Anflug von Angst stellte sich ein, bei dem Schwein.

Nachdem mich Zähnegeklapper, ungestühme Grunzlaute und ein Höllengestank von allen Richtungen umgab, entschied ich mich zu einer, mir selbst im ersten Moment lächerlich anmutenden Entscheidung: Ich versuchte möglichst schnell einen Baum zu finden, der sich von mir erklimmen ließ (zumindest bis zu einer Höhe von 1m).

Der fand sich dann glücklicherweise in nächster Nähe. Also rauf auf den Baum, der Rucksack musste unten seinem Schicksal entgegenblicken, da ich behangen wie ein Weinachtsbaum schon genug Schwierigkeiten hatte oben zu bleiben. So sollte man das machen, hieß es und so ganz allein, hab ich mir gedacht, warum nicht?!

Dort oben harrend, hoffte ich zumindest, nicht von den europäischen Schweinen, die es hier auch gibt, vom meinem wackeligen Baum gepflückt zu werden, sondern von den hießigen Pekaris. Und kurze Zeit später umgab mich auch schon eine Gruppe von etwa 20 Weißlippenpekaris, die sich lautstark, einen Meter unter mir, versammelt hatten. Die Schweine waren recht munter, wirkten leicht nervös und hatten wohl Meinungsverschiedenheiten in der Gruppe.

Nach dem ersten Schrecken, versuchend Fotos zu schießen, war ich mir sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben mit der Kletteraktion. Zumal keiner den jämmerlichen Anblick sah, wie ich mit zitternden Knien, angstschwitzend, in 1m Höhe über dem Grund im Baum hockte, mich zwischen Foto und Fernglas verhedderte und gleichzeitig versuchte zu nahe kommende Schweine mit  bestimmendem „Schschsch Schsch Schsch“ auf Abstand zu halten. Die ließen sich aber komischerweise überhaupt nicht beeindrucken und so wartete ich da oben, bis der ganze Spuk vorbei war.

Komisch, dass die mich und meine Anstrengungen gar nicht beachtet haben da oben, entweder liegt dass an meinem bewusst neutralem Deodorant, oder weil mittlerweile mein Körpergeruch … na, jedenfalls gönn ich mir heute Abend mal einen frischen Satz Wäsche.

Schon mal ein Dankeschön!

Foto: Rainer Radtke; Exk 2012; Vortrag von Vitoria über die Entstehung des Schutzgebiet

Das Praktikum ist übrigens nur deshalb möglich, weil die Tübinger Brasilien-Exkursion (http://brasilienexkursion.wordpress.com) unter  Leitung von Dr. Rainer Radtke, Brasilien-Zentrum, Uni Tübingen, seit  2006 hier her kommt und die Besitzerin, Vitória da Riva, aufgrund der  guten Zusammenarbeit Radtke anbot, ihr passionierte Kandidaten zu  schicken. Dafür, dass ich diese Möglichkeit geboten bekomme, danke ich  Rainer Radtke und Vitoria.

Vier Wochen Rio Cristalino

Mir wurde die große Ehre zu teil, mich im südamazonischen Regenwald als Wissenschaftler der alten Schule zu geben. Aber das ist nicht so einfach, dass wusste bereits der olle Humboldt.

Eine Vorbereitung für solch eine Freilandarbeit gab es im Studium durch zweimalige Brasilienexkursion und eigene, äußerst erfolgreichen Versuchen im eingespielten Doppel (siehe vorheriges). Auch 3 Tage Geländepraktikum zwischen Tübingen und Kiebingen waren nett.  Also traute ich mich wohl oder übel auch allein hierher. Und es ging ja ganz langsam los:

Tag 1

6.30 Uhr: Ich werde ins Gebiet meines Interesses geschifft

6.40 Uhr:     „Tschau Amigo!“  (Boot fährt ab).

Da bin ich, wie erwartet, allein im Wald, aber mit allerlei schwerem technischem Krimmskramms behangen (Walkie Talkie, Foto, GPS, …).

Wenn es dann tatsächlich soweit ist, so allein im Wald, dann wackeln doch vor Aufregung erst mal die verkümmerten Beinchen, ein herunterfallendes Blatt kann einen in helle Aufregung versetzen und wenn der Finger aus irgendeinem (Insekten-)Grund temporär anschwillt, denkt man natürlich sofort an den Verlust seines geliebten  Fingers, durch „Abplatzen“ des Selbigen.

Aber alles halb so wild: „You never walk alone!“

Deshalb beweg ich mich elegant und still wie ein kleines Kätzlein durch den Wald. Man mag ja nicht gleich am ersten Tag auf Grund von schusseligem Herumstolpern den Ausnahmezustand über das Walkie Talkie ausrufen. Und das soll auch die folgenden Tage nicht geschehen, also bleibe ich ‚Katze’.

Im Folgenden heißt es nun: Auf das Wesentliche konzentrieren (und das fällt bei all dem nicht einfach), denn schließlich soll auch was dabei rauskommen.

In diesem Sinne, ich mach mich mal an mein Werk!

Quest 1: Überlebenstraining in den Mangroven

Wieder einmal ging es auf Exkursion dieses Mal mit der USP. 5 Tage an der Küste von São Paulo, im Touristenort Ubatuba. Dank einem Jahresniederschlag von 2500 mm/Jahr  der sich über das ganze Jahr verteilt, erhielt die Stadt den Spitznamen Ubachuva (chuva=Regen). Sie machte ihrem Namen alle Ehren. Regen, Regen, Regen.

Die gefürchteten Seepocken, sie hiess es finden, bestimmen,auszählen.

“Trabalho de campo” wurde hier sehr ernst genommen, so hiess es morgens um 6 aufstehen und Programm bis nachts um 12, dazwischen: viel Essen, wenig Schlaf. Am Ende wars dann aber doch nur halb so schlimm und es blieb noch Zeit für andere Dinge (Schwimmen im Regen, Billiard, Churrasco, Bier).

Schlammkur für alle!

Zum Abschluss ging es dann noch in die Mangroven einziges Unterrichtsziel, so schien es, möglichst dreckig werden indem man sich durch Hüfthohen Morast kämpft wärend man vom Prof und den Kommilitonen mit Schlamm beworfen wird. Da man so dreckig natürlich nicht in den Bus kann hieß es danach wieder sauber werden und das geht nun mal am besten bei einem ausgiebigen Bad in Meer.

Im Seestern Streichelzoo

Pinguine

…Loading….Chapter 2

Nachdem Spargeltarzan das Dschungelcamp verlassen hat, muss sich Prinzessin Lea nun alleine durchschlagen und versuchen mit Hilfe der Afffenbande die Mission  zu Ende zu führen.

Im Morgengrauen zog er aus, um die Welt zu retten.

Zoologische Exklusivitäten

Adlerauge sei stets wachsam, so kommts zu so mancher zoologischen Überraschung.

Dort, am Rio Cristalino, in dunkel-regnerischer,von Trunkenheit geschwängerten Nacht zum Beispiel

zwei der drei

Das ist schon was..ja, was denn eigentlich? Auf jeden Fall bekommt man die  im tiefen Wald nicht so oft zu sehn und noch weniger drei davon. Nur ein Rascheln im Wald hat verraten, dass da was im Busch ist; was größeres oder viel davon.

Ohne Licht, allein im Regen wankend, war aber nichts genaueres auszumachen. Erregt musste also die  schlummernde Meta aus dem Bett geworfen werden: “Es raschelt  im Wald!!”
Lichttechnische Unterstützung hat sie dann entlarvt und  zu einem passablen Bild verholfen.
Drei mittlere Ameisenbären (die kleinen Ameisenbären sind noch kleiner und gibts eher in Mittelamerika).

Ach und dies hier gab es auch noch, die einzigen nachtaktiven Affen in Südamerika, Nachtaffen eben. Dieses Jahr zum ersten Mal auf der Exkursion gesichtet.

Aotus infulatus -Feline Night-Monkey

 

 

What the fu….ähhh Was is’n das ?

Game out (1)

Nur ich bin dann mal wieder in D. Man sieht sich.

mmmart

3. Etappe zoologische Exkursion: Rio Cristalino

Für die letzte Etappe der Exkursion musste es ein ganzes Stückchen in den Norden gehn. Von Bonito am Pantanal entlang bis Cuiaba und weiter im Staat Mato Grosso, gemeinsam mit einer nicht enden wollenden Holzlaster-Schlange, bis Alta Floresta. 12 Stunden nördlich von Cuiaba. Erstes Ziel nach 36 Stunden Bus war das Frühstücksbuffet des Alta Floresta Hotels. Endlich scheint sie wieder. Die Sonne brennt uns auf die aufgeweichten Glieder und lässt auf gutes Wetter hoffen die nächste Woche.

So siehts um Alta Floresta aus

So könnte es aussehen...

Alta Floresta heißt “hoher/tiefer Wald”, unser Guide Alfredo erzählte, als er vor rund 30 Jahren hierher kam, hat dieser Ort seinen Namen noch zurecht getragen, ein Städtchen mitten im Wald. Heute ist davon im weiten Umkreis nichts mehr zu sehn. Plantagen und Viehweiden zusammen mit einzelnen rumstehenden Bäumen prägen die Landschaft um Alta Floresta. Das einzige größere Waldstück  ist im Besitz der Familie des Alta Floresta Hotels, in dem wir unterkommen. Es scheint wie eine Oase für die Tierwelt zu sein, hier drängeln sich Aras, Brüllafen, Spinnenaffen, Capivaras usw. . Abhauen können sie nicht, da rundherum nichts mehr ist.
Nachdem jeder sich in Alta Floresta den Wanzt vollgeschlagen hat gings mit dem “Geländebus” 3 Stunden lang bis fast ans Ufer des Teles Pires. Die Größe des Flusses lässt sich sehn, da geht einiges an Wasser Richtung Rio Tapajos und dann in den Amazonas. Doch wir schlagen den Weg ein in einen relativ kleinen Zubringer des Rio Teles Pires, den Rio Cristalino.

da schau her!

Wenn man keine Karte der Gegend gesehn hat, könnte man meinen, man sitzt mitten im Amazonas Tiefland. Vögel fliegen über den Fluss, Saki Monkeys sitzen auf einem Baum am Ufer, üppige Vegetation schimmert in Grüntönen die man vorher noch nicht gesehn hat. Eigentlich befindet man sich hier am äußersten Rand des tropischen Primärwaldes, die Grenze der Abholzung verläuft nur wenige Kilometer weiter südlich.

Chef Pekari

 

 

 

 

 

 

 

Das Gebiet in welches wir gehen, ist ein privates Schutzgebiet (ein sogenanntes RPPN), welches sich selbst als Puffer gegen die Abholzung des Waldes aus dem Süden sieht. Das RPPN Rio Cristalino zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt an Flora und Fauna aus.Vogelreichtum von über 600 Arten einige endemische Arten und eine Vielfalt, die selbst für “amazonische” Maßstäbe groß ist, machen den Rio Cristalino zum biologischen Supergau.

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